S62 · Meta – Mental Health & PTED
PTED = Posttraumatische Verbitterungsstörung. Wenn erlebte Ungerechtigkeit, Machtlosigkeit und Demütigung krank machen – und warum das im Sozialrecht häufig ist.
Was ist PTED?
PTED beschreibt eine anhaltende, belastende Reaktion auf als massiv ungerecht erlebte Ereignisse (z. B. behördliche Fehlentscheidungen, Kränkungen, Existenzbedrohung). Typisch sind Verbitterung, Grübelzwang, Wut, Rückzug, Schlafstörungen und der Verlust von Zuversicht – oft bei vorher psychisch stabilen Menschen.
Merksatz: Nicht „Empfindlichkeit“, sondern eine normale Reaktion eines verletzten Gerechtigkeitsempfindens, die chronisch geworden ist.
Warum im Sozialrecht so häufig?
Auslöser
- Gefühl: „Ich werde nicht gehört / für dumm verkauft“
- Zermürbende Verfahren, Gutachten-Marathon, Vergleichsdruck
- Materielle Bedrohung (Existenz, Gesundheit, Familie)
- Erlebte Respektlosigkeit/Herabwürdigung
Verstärker
- Intransparente Begründungen, pauschale Floskeln
- Unklare Zuständigkeiten (AOK ↔ MDK, DRV ↔ Gutachter)
- Langwierigkeit / Kontrollverlust
- Soziale Isolation durch Erschöpfung und Scham
Erfahrungswert aus Kliniken: Ein relevanter Anteil stationärer Patienten berichtet von sozialrechtlichen Konflikten als Hauptstressoren.
Abgrenzung zur Depression
- PTED: Dauergrübeln um die Ungerechtigkeit, anhaltende Verbitterung/Wut, Trigger durch Behörden-/Konfliktthemen.
- Depression: Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Schuldgefühle, oft generalisiert.
Wichtig: PTED und Depression treten häufig zusammen auf. Die Behandlung muss beides berücksichtigen.
Was hilft? (klinisch erprobte Bausteine)
1) Emotions- & Stressregulation
- Atem- und Körpertechniken (z. B. 4-7-8, PMR)
- Schlafhygiene, Reizreduktion, Tagesstruktur
- Bewegung im Rahmen der Belastbarkeit
2) Kognitive Arbeit
- Trigger erkennen, Rumination stoppen (z. B. „Sorgen-Fenster“)
- Fokuswechsel: vom Unkontrollierbaren → zum Beeinflussbaren
- „Sinnarbeit“: Lebensziele jenseits des Konflikts stärken
3) Werte- & Weisheitsfokus
- Perspektivwechsel, Ambivalenztoleranz üben
- Verzeihen ≠ Billigen: innere Entkopplung vom Täter/System
- Kleine, sinnvolle Handlungen im Alltag (Selbstwirksamkeit)
4) Soziale & praktische Entlastung
- Rechtsberatung bündeln, Verfahren delegieren, Pausen erlauben
- Soziale Unterstützung aktivieren (1–2 verlässliche Menschen)
- Medizinisch: Begleiterkrankungen konsequent mitbehandeln
Prinzip: Nicht den Wahrheitsanspruch aufgeben – aber die Lebensführung nicht länger dem Konflikt unterordnen.
Wenn es akut eng wird – Hilfe jetzt
In akuter Krise oder bei Suizidgedanken: Wähle den Notruf 112, kontaktiere die Ärztliche Bereitschaft unter 116 117 oder die TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 / 0800 111 0 222 (rund um die Uhr, kostenfrei). In vielen Städten gibt es psychiatrische Krisendienste mit Soforthilfe.
Hilfe zu suchen ist Stärke. PTED und Depression sind behandelbar.