FA‑W2 · Modul A · Befundlage medizinisch · 2020
Eigenständige Jahreszusammenfassung, unter Berücksichtigung der Vorgeschichte (2016/2017) und der Ereignisse um die stationäre Maßnahme 2020.
1) Überblick
Im Jahr 2020 erfolgte ein stationärer Aufenthalt in der Schön Klinik Roseneck (26.02.–25.03.2020). Schwerpunkte: Depression, chronische Schmerzstörung, Fatigue, Schlafstörungen, Persönlichkeitsfaktoren. Der Aufenthalt brachte eine leichte Stabilisierung, musste jedoch vorzeitig wegen Corona‑Maßnahmen (Freihalten von Bettenkapazitäten) beendet werden. Bei Entlassung: stabilisiert, jedoch weiterhin arbeitsunfähig.
2) Orthopädische / somatische Befunde
- Chronische Schmerzstörung (fibromyalgieähnlich, seit Jahren bekannt).
- Multilokuläre Schmerzen (Wirbelsäule, Gelenke, Muskeln), Spannungskopfschmerz.
- Zustand nach LWS‑OP 1993, Amputation Finger II–IV links (Kindheit).
- Hypertonie; BMI 26,2 (80,4 kg bei 1,75 m).
3) Internistisch / neurologische Befunde
- Radikulopathien, Spannungskopfschmerz, Hypertonie.
- Fatigue führend („körperlich und psychisch total k.o.“).
- Massive Schlafstörungen (Ein‑/Durchschlafen, nicht erholsam).
- Keine neuen fokal‑neurologischen Defizite.
4) Psychische Befundlage
- Rezidivierende depressive Störung, aktuell schwere Episode ohne Psychose.
- Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (chronifiziert).
- Kombinierte Persönlichkeitszüge (ängstlich‑vermeidend, anankastisch).
- Reduzierter Antrieb, Grübeln, sozialer Rückzug, Selbstwertproblematik.
- Suizidalität bei Entlassung verneint, keine Psychose.
- Testdiagnostik: BDI‑II 35 Punkte (schwere Depression), PHQ‑D schwere Depressivität/Somatisierung/Ängstlichkeit, BSI hochgradig auffällig in mehreren Skalen.
5) Funktion & Leistungsbild 2020
- Seit 09/2016 arbeitsunfähig.
- 2020 unverändert deutliche Einschränkung: Belastbarkeit < 3–4 Stunden/Tag realistisch.
- Funktionelle Einschränkung durch Kombination von Depression, Fatigue und chronischer Schmerzstörung.
6) Therapie / Medikation
- Entlassungsmedikation: Mirtazapin 15 mg, Pregabalin 100 mg, Dronabinol (THC‑Tropfen), Candesartan/HCT, Vitamin B1/B6/D3.
- Empfehlung: ambulante Psychotherapie (Tagesstruktur, kognitive Muster, soziale Kompetenzen).
- Empfehlung: Medikamentöse Neuorientierung (SSRI/SSNRI erwägen).
- Empfehlung: Reduktion THC und Pregabalin (fragliche Indikation).
7) Besonderheit: Vorgeschichte 2016/2017
Die stationäre Behandlung in einer Fachklinik war bereits Ende 2016 / Anfang 2017 medizinisch notwendig, wurde jedoch von der AOK nicht bewilligt. Erst nach erfolgreicher Klage vor dem Sozialgericht konnte die Maßnahme 2020 realisiert werden. Aufgrund der Corona‑Pandemie wurde die Behandlung jedoch vorzeitig abgebrochen. Damit kam die ursprünglich notwendige Maßnahme faktisch auch 2020 nicht in vollem Umfang zustande und bis heute nicht zur Umsetzung.
8) Zusammenfassung 2020
Gegenüber 2019 keine grundsätzliche Verbesserung: chronische Multimorbidität aus orthopädischen, psychischen und somatischen Befunden. Stationärer Aufenthalt brachte eine leichte Stabilisierung, jedoch keine nachhaltige Verbesserung. Erneut bestätigt: deutliche Einschränkung der Erwerbsfähigkeit (< 3 Stunden/Tag). Die Verspätung und der Abbruch der stationären Maßnahme unterstreichen eine gravierende Versorgungslücke im Krankheitsverlauf.
Stand: 2020 · erstellt am 07.09.2025